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FÜHRUNG IN ZEITEN DES UMBRUCHS.

Wenn alte Sicherheiten fallen und innere Wahrheit ruft.

"Ich hab das Gefühl, immer kämpfen zu müssen" – Warum wir uns oft im Dauerstress-Modus befinden

  • Autorenbild: Elisabeth Morri
    Elisabeth Morri
  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Frau in weißem Kleid vor einer grünen Glaskonstruktion, daneben die Worte 'Ich hab das Gefühl, immer kämpfen zu müssen' sowie das Logo von Kliologie und der Text 'Gemeinsam ins Luftzeitalter'.
Lass uns gemeinsam ins Luftzeitalter gehen

Gefühl kämpfen zu müssen

"Ich hab das Gefühl, immer kämpfen zu müssen" – Warum wir uns oft im Dauerstress-Modus befinden

Kennst du dieses Gefühl, dass das Leben ein ständiger Kampf ist? Egal, ob es darum geht, beruflich erfolgreich zu sein, Beziehungen zu managen oder einfach nur im Alltag alles auf die Reihe zu bekommen – es fühlt sich an, als würde man nie zur Ruhe kommen. Dieses Thema begegnet mir häufig in meiner Arbeit mit Klienten, und ich möchte es hier aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, damit du vielleicht ein paar Aha-Momente mitnehmen kannst.


Psychologische Perspektive: Dein Nervensystem im Alarmmodus

Aus psychologischer Sicht steckt hinter dem Gefühl, ständig kämpfen zu müssen, oft ein daueraktives Stresssystem. Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, auf Gefahren mit der sogenannten "Kampf-oder-Flucht"-Reaktion zu reagieren. Doch wenn unser Körper permanent in diesem Modus bleibt, weil er Gefahren – real oder eingebildet – wahrnimmt, gerät das System aus der Balance. Wir können nicht mehr entspannen, uns nicht mehr wirklich erholen, und es bleibt kaum Raum für Reflexion. Langfristig führt das zu Erschöpfung und einem Gefühl von Überforderung.

Diese Überlastung hat häufig ihren Ursprung in tief verankerten Glaubenssätzen, die wir meist schon in unserer Kindheit übernommen haben. Glaubenssätze wie:

  • "Ich muss stark sein." Vielleicht wurde dir beigebracht, dass Schwäche keine Option ist, und jetzt trägst du diese Überzeugung wie ein schweres Gepäckstück durch dein Leben.

  • "Ich darf keine Fehler machen." Der Perfektionismus lässt dich glauben, dass jeder Fehler ein Scheitern ist – doch das ist eine verzerrte Wahrnehmung.

  • "Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste." Diese Überzeugung verleitet dazu, Selbstwert an Produktivität oder äußeren Erfolg zu koppeln, statt den eigenen Wert in der eigenen Existenz zu sehen.

Diese inneren Überzeugungen wirken oft wie eine Art unsichtbares Skript, das unser Verhalten steuert. Solange wir uns ihrer nicht bewusst sind, bestimmen sie unbewusst, wie wir unser Leben gestalten und erleben.


Was kannst du tun, um aus diesem Modus auszusteigen?

  1. Erkenne deine Glaubenssätze: Der erste Schritt ist, dir bewusst zu machen, welche Überzeugungen dich antreiben. Frag dich: „Warum denke ich, dass ich kämpfen muss? Woher kommt dieses Gefühl?“ Schreibe die Antworten auf, um dir Klarheit zu verschaffen.

  2. Hinterfrage diese Überzeugungen: Sind diese Glaubenssätze wirklich wahr? Müssen sie für immer gelten, oder gibt es eine Alternative? Ein Beispiel: Statt „Ich muss stark sein“ könntest du dich fragen: „Darf ich nicht auch mal Unterstützung annehmen?“

  3. Finde neue Überzeugungen: Entwickle bewusst positive, unterstützende Glaubenssätze, die dich nicht in den Kampfmodus zwingen. Zum Beispiel: „Ich bin wertvoll, egal, was ich leiste“ oder „Es ist okay, Hilfe zu brauchen.“

  4. Arbeite mit deinem Körper: Der Körper ist der Schlüssel, um aus dem Stressmodus auszusteigen. Atemübungen, Meditation oder einfach ein bewusster Spaziergang können deinem Nervensystem helfen, in einen Zustand der Entspannung zurückzukehren.

  5. Führe ein Stress-Tagebuch: Schreibe regelmäßig auf, wann und warum du das Gefühl hast, kämpfen zu müssen. Oft entstehen so Muster, die dir helfen, besser zu verstehen, welche Situationen oder Gedanken deinen Stress auslösen.

  6. Übe dich in Selbstmitgefühl: Rede mit dir selbst, wie du mit einem geliebten Menschen sprechen würdest. Wenn du dich gestresst oder überwältigt fühlst, sag dir: „Es ist okay, dass ich mich so fühle. Ich gebe mein Bestes, und das reicht.“


Coaching-Sicht: Der Unterschied zwischen "Leistung" und "Selbstwert"

Als Coach sehe ich oft, dass Menschen den Fehler machen, ihren Selbstwert über ihre Leistung zu definieren. Vielleicht kennst du das: Du arbeitest hart, willst alles "richtig" machen, und wenn etwas nicht klappt, fühlst du dich wie ein Versager. Das Problem dabei ist, dass diese Denkweise zu einem ständigen Kreislauf aus Stress und Selbstzweifeln führen kann.

Warum passiert das? Oft liegt es daran, dass wir in einer Gesellschaft aufwachsen, die Leistung über alles stellt. Schon in der Schule lernen wir, dass wir für gute Noten gelobt werden und dass Fehler etwas sind, das wir vermeiden sollten. Dieses Muster zieht sich später in unser Berufs- und Privatleben, bis wir irgendwann das Gefühl haben, nur dann etwas wert zu sein, wenn wir "liefern".

Die Wahrheit ist jedoch: Dein Wert als Mensch ist nicht abhängig von deinen Erfolgen oder Niederlagen. Dein Selbstwert ist nicht verhandelbar – er ist eine Konstante, die nicht an äußere Umstände gekoppelt sein sollte.


Wie kannst du aus diesem Denkmuster aussteigen?

  1. Bewusste Pausen einlegen: Plane dir Zeit ein, in der du bewusst "nichts leisten" musst. Das könnten kleine Rituale sein wie ein Spaziergang, eine Meditation oder einfach mal 10 Minuten, in denen du nur atmest und zur Ruhe kommst. Beobachte, wie sich das anfühlt, und erlaube dir, diese Momente ohne Schuldgefühle zu genießen.

  2. Reflektiere deinen Selbstwert: Schreibe auf, was dich als Mensch ausmacht – jenseits von Leistung. Welche Eigenschaften, Werte oder Talente schätzt du an dir? Oft ist es hilfreich, sich auf diese Dinge zu fokussieren, anstatt nur auf Ergebnisse.

  3. Neue Glaubenssätze entwickeln: Statt "Ich bin nur gut genug, wenn ich etwas leiste" könntest du dir sagen: "Ich bin wertvoll, weil ich bin." Wiederhole diesen Satz bewusst, bis er sich in deinem Denken verankert.

  4. Erfolge feiern, egal wie klein sie sind: Viele Menschen vergessen, ihre Erfolge zu würdigen. Nimm dir am Ende des Tages ein paar Minuten Zeit, um drei Dinge aufzuschreiben, die dir gut gelungen sind – ganz egal, wie groß oder klein sie waren.

  5. Unterstützung suchen: Ein Coach oder Therapeut kann dir helfen, alte Denkmuster zu hinterfragen und neue Wege zu finden, wie du dich selbst wahrnimmst. Manchmal braucht es jemanden von außen, der dir den Spiegel vorhält.


Was wäre, wenn du dich selbst für genügend halten würdest, ganz ohne Bedingungen? Diese Frage mag am Anfang ungewohnt sein, doch sie kann der Schlüssel sein, um aus dem ständigen Druck auszubrechen. Du bist genug – so, wie du bist. Das zu erkennen, ist der erste Schritt in ein Leben mit mehr Leichtigkeit und Selbstliebe.


Supervisorische Sicht: Die Systemebene im Blick

In der Supervision schauen wir nicht nur auf das Individuum, sondern auf die Systeme, in denen es sich bewegt. Dein Gefühl, ständig kämpfen zu müssen, könnte auch in den Strukturen um dich herum begründet sein. Arbeitest du in einem Unternehmen, das von ständigem Leistungsdruck geprägt ist? Oder befindest du dich in sozialen Kontexten, in denen Konkurrenzdenken und ständiges Vergleichen an der Tagesordnung sind?

Supervision hilft dir, diese Dynamiken zu erkennen und zu reflektieren. Es geht darum, deinen Platz im System zu analysieren: Welche Erwartungen stammen tatsächlich von dir selbst, und welche wurden dir von außen übergestülpt? Manchmal reicht schon die Erkenntnis, dass ein großer Teil deines Drucks aus den Strukturen resultiert, um neue Perspektiven zu entwickeln.


Wie kannst du im System klarer werden?

  1. Grenzen setzen: Lerne, klar zu kommunizieren, was du leisten kannst und willst. Grenzen sind der erste Schritt, um dich aus überfordernden Strukturen zu lösen.

  2. Rollen klären: Verstehe genau, welche Rolle du in deinem System einnimmst. Gibt es Unklarheiten? Oft entsteht Stress, wenn wir Aufgaben übernehmen, die eigentlich nicht zu uns gehören.

  3. Unterstützung suchen: Tausche dich mit Kollegen oder Gleichgesinnten aus, die ähnliche Erfahrungen machen. In der Gemeinschaft können Lösungen und Ideen entstehen.

  4. Systeme hinterfragen: Erkenne, dass nicht immer du das Problem bist, sondern manchmal die Strukturen, in denen du dich bewegst. Wo könntest du dich aktiv für Veränderungen einsetzen?


Soziologische Perspektive: Die Gesellschaft als Mitspieler

Das Gefühl, immer kämpfen zu müssen, ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Wir leben in einer Zeit, in der Leistung über allem steht. Erfolg wird häufig mit harter Arbeit gleichgesetzt, und wer "schwächelt", hat schnell das Gefühl, nicht dazuzugehören. Social Media verstärkt diesen Druck, indem es uns konstant die vermeintlich perfekten Leben anderer Menschen zeigt.


Wie kannst du dich diesem gesellschaftlichen Druck entziehen?

  1. Vergleiche bewusst reduzieren: Social Media kann inspirierend sein, aber es kann auch zu Vergleichen führen, die dir schaden. Versuche, deinen Konsum einzuschränken oder Accounts zu entfolgen, die dir das Gefühl geben, nicht genug zu sein.

  2. Deine Werte definieren: Was ist dir wirklich wichtig? Erfolg und Leistung sind nicht die einzigen Werte, die ein erfülltes Leben ausmachen. Vielleicht sind Beziehungen, Gesundheit oder Kreativität für dich bedeutender.

  3. Den Fokus auf dich selbst richten: Statt dich daran zu orientieren, was die Gesellschaft erwartet, frag dich: Was brauche ich, um glücklich und ausgeglichen zu sein?

  4. Gesellschaftliche Normen hinterfragen: Warum glauben wir, dass wir uns über Arbeit oder Status definieren müssen? Erlaube dir, eigene Normen zu entwickeln, die zu dir passen.


Dein erster Schritt: Erkennen und Loslassen

Egal, aus welcher Perspektive wir das Thema betrachten – der erste Schritt ist immer, das "Kämpfen" als Muster zu erkennen. Danach kannst du beginnen, neue Wege zu finden, die nicht von ständigem Druck und Stress bestimmt sind. Vielleicht probierst du es mit kleinen Übungen, wie bewussten Pausen, Journaling oder dem Setzen klarer Grenzen.


Weitere Schritte: Wie du langfristig aus dem Kampfmodus aussteigst

  1. Praktiziere Selbstmitgefühl: Statt dich zu kritisieren, wenn du dich gestresst fühlst, üb dich in Nachsicht. Sprich mit dir selbst wie mit einem guten Freund.

  2. Schaffe feste Auszeiten: Plane dir bewusst Zeit ein, in der du nichts "leisten" musst. Ob ein Spaziergang, ein Buch oder einfach nur ein Powernap – diese Zeiten sind wichtig, um dein Nervensystem zu entspannen.

  3. Reflektiere deine Ziele: Frage dich: Sind die Ziele, die du verfolgst, wirklich deine eigenen, oder strebst du nach etwas, das von außen vorgegeben wurde?

  4. Arbeite an deinen Grenzen: Lerne, "Nein" zu sagen, ohne Schuldgefühle zu haben. Das ist ein essenzieller Schritt, um dich vor Überforderung zu schützen.

  5. Tausche dich aus: Sprich mit anderen über deine Erfahrungen. Oft hilft es, zu merken, dass man nicht allein mit seinen Gefühlen ist.

  6. Hole dir Unterstützung: Ob Coaching, Supervision oder Therapie – professionelle Begleitung kann dir helfen, neue Perspektiven zu entwickeln und alte Muster zu durchbrechen.


Dein Leben, dein Tempo

Das Gefühl, immer kämpfen zu müssen, ist kein endgültiges Urteil. Es ist ein Signal, das dir zeigt, dass etwas nicht mehr im Gleichgewicht ist. Du kannst lernen, anders mit diesem Gefühl umzugehen und nach und nach mehr Leichtigkeit in dein Leben zu bringen. Und denk daran: Du bist es wert, auch mal durchzuatmen und das Leben zu genießen.


Was denkst du: Welcher dieser Ansätze könnte dir helfen? Lass mich gern an deinen Gedanken teilhaben! Du kannst deine Sichtweise gerne in unsere WhatsApp-Gruppe schreiben.

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